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Wieder ein Stück weit Normalität erleben

Frische, die schmeckt: Spatenstich-Gärtnerin Andrea Rein mit einer erntfrischen Lieferung für das Neuburger Krankenhaus, einer der Großkunden des Kooperationsprojekts in der Region.

Neustetten (tsj) Vor vier Jahren wurde das Integrationsprojekt Spatenstich ins Leben gerufen. Als ehrenamtliche Aktion begonnen, engagieren sich seit zwei Jahren Regenbogen Wohnen und Integra Soziale Dienste für das Arbeitsprojekt für Sucht- und psychisch Kranke.

Beschauliche Betriebsamkeit herrscht in den Gewächshäusern in idyllischer Lage am Rande des Donaumooses. Hier werden die Pflanzen für den Freilandanbau gegossen, da Tomatenpflänzchen an den vorgesehenen Platz im großen Glashaus in die Erde gesetzt. Jeder Handgriff geht den Spatenstich-Mitarbeitern mit besonnener Muße und schweigsam von der Hand.

Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, mit einer sinnvollen Beschäftigung den kranken Menschen in einem geschützten Rahmen, den Weg zurück in die Normalität zu erleichtern. Das fange schon damit an, morgens pünktlich aufzustehen, weiß Barbara Rinsky, Leiterin der Wohngemeinschaften von Regenbogen. Ein therapeutischer Aspekt bestehe darin, wieder feste Strukturen, Kontinuität und Regelmäßigkeit in den Alltag der Klienten zu bringen.

Mit dem Shuttle-Bus geht es morgens von den Wohnheimen der beiden gemeinnützigen Einrichtungen aus der Region 10 nach Neustetten. Es besteht die Möglichkeit einen kleinen Beitrag zum Lebensunterhalt dazu zu verdienen. Was die bei Spatentisch Beschäftigen von Regenbogen und Integra als Lohn bekommen, muss von dem Gärtnereiprojekt selbst erwirtschaftet werden. Vom Bezirk getragen werden lediglich die zwei Vollzeitstellen, aufgeteilt in sozialpädagogische Betreuung und fachliche Anleitung, sowie Sach- und Verwaltungskosten. Gerade hat Thomas Schuster, Gartenbauingenieur vom Augsburger Landwirtschaftsamt, seine wöchentliche Stippvisite in dem Integrationsbetrieb beendet. In Sachen Anbausorten, Düngung und Schädlingsanalyse gibt der Fachmann für Gemüseanbau den Mitarbeitern hilfreiche Tipps. Schuster betont, dass Spatenstich ganz auf chemische Spritzmittel verzichte. Das Schlagwort "ökologischer Gemüsebau" fällt.

Das angebaute Gemüse geht direkt ab Gewächshaus an den Kunden, sei es an Restaurants und Gaststätten oder an den Großabnehmer, das Neuburger Klinikum. "Frischer geht’s nicht", meint Gärtner und Heilerziehungspfleger Alex Schmidl. Momentan im Aufbau ist die "Neuburger Gemüsekiste": ein Lieferservice für Privathaushalte – gefüllt mit saisonal breit gemischtem Gemüse aus naturgemäßem Anbau, garantiert ungespritzt.

Von Tanja Staimer
Fotocopyricht: Tanja Staimer
Donaukurier Printausgabe vom 04.05.2009